Galerie 2018

Sommerfahrt nach Hegne 17.06.2018

Bodensee-Umrundung an Pfingsten  19.Mai - 21.Mai 2018

«Bodenseeumrundung, Ruderstrecke pro Tag ca. 50 km» - so lautete die Ausschreibung auf der RCS Website. Statt die Lagunen in Venedig hatte sich Martin auf die Reize der heimatlichen Gewässer besonnen und den Bodensee zum Ziel unserer diesjährigen Pfingstreise bestimmt. Der Ansturm spontaner Anmeldungen liess allerdings auf sich warten. Die Kilometeranzahl der angekündigten Etappen schienen bei einigen Mitgliedern im Club eher Skepsis und Respekt, als Begeisterung auszulösen. Jedenfalls füllte sich die Liste mit den zur Verfügung stehenden 12 Plätzen für die zwei C - Boote nur zögerlich und das Pfingstwochenende rückte näher.

 

Damit das Vorgehen umgesetzt werden konnte, musste Martin auf andere Mittel zurückgreifen. Er nutzte seine Beziehungen zu hartgesottenen Wanderruderinnen und Wanderruderer aus anderen Clubs und organisierte auch ein passendes Boot: Ein finnisches Kapellenboot - die kleinere Ausgabe des Kirchboots - zur Verfügung gestellt von der Rudergemeinschaft Seemalrhein. Acht Plätze mit Riemenruder und ein Steuerplatz, dazu genügend Platz für das gesamte Reisegepäck.

  

Pfingstsamstag

Die Reise startete am Pfingstsamstagmorgen in Radolfzell, im Heimatbootsplatz des Kapellenboots. Mit im Boot waren die Steckbornerfraktion mit Martin, Erika, Andres, Susanne, Helene und mir, Clemens vom Ruderclub Diessenhofen – bei den Steckbornern bereits ein bekannter Gast - dann Claudia von Seemalrhein und Detlef von Neu Ulm. Ein illustres Grüppchen, froh gelaunt und bereit für ein Ruderabenteuer.

Das Wetter stimmte: Sonnig mit einigen Wolken und eher kühl, um zu rudern ideal. Der erste Streckenabschnitt mutete vertraut an, hinaus aus der Bucht, vorbei am Markelfinger Winkel- entlang der Insel Reichenau bis zum Durchstich. Ein erster Anfang einer ausgedehnten Strecke. Was dann kommt ist schnell erzählt. Ruderstunde um Ruderstunde als Programminhalt.

Das Aufschlagen der Ruder im Wasser, das Rollen der Sitze und das Knarren des Bootes, geräuschvoll und gleichmässig, dazu das muntere Geplauder der Rudertruppe.

Wir ruderten und ruderten, Schlag um Schlag, weiter und weiter, ruhig und stetig im meditativen Rhythmus einer wohltuenden Langsamkeit, die Zeit lässt, mit den Blicken in die Beschaulichkeit der vorbeiziehenden Uferlandschaft zu versinken und die Bilder in das Gedächtnis aufzunehmen.

Das Naturschutzgebiet im Seerhein, das Schilf im Wasser, umringt von dem Kräuseln der sanften Strömung, ein verlassenes Boot leicht schaukelnd, die nostalgisch anmutenden Fachwerkbauten in Gottlieben mit dem Schloss, dessen leicht verwitterte Fassade den Eindruck erweckt, als würde sie von der Grandezza vergangener Zeiten träumen, die neugotische Turmspitze des Konstanzer Münsters als Wahrzeichen der Kulturstadt, die repräsentativen Häuserzeilen mit kleinen Erkern zum See, die neue Überbauung bunt und kistenhaft aufeinandergestapelt mit grossen Terrassen als unverkennbarer Ausdruck des florierenden Wohnungsbaus.

Stück um Stück vorankommend, Kreuzlingen, Kesswil Altnau, Romanshorn - Thurgauer Geographie aus der Wasserschau.

Ortschaften, Häuser, Kirchturmspitzen. Villen mit schön angelegten Gärten am See, lauschige Uferplätzchen, Bäumen die ihre Äste im Wasser schwenkten, schmucke Badehäuschen, als kämen sie aus der Puppenkiste.

Wir ruderten und ruderten, Ausdauer war gefragt. Kurze Pausen zwischendurch für die Stärkung. Beim Aussteigen die steifen Beine, die Blasen an den Händen und Druckschmerzen an den Sitzbeinhöckern. Nach Arbon der Übergang ins St.Gallische, Steinach, Goldach und endlich, lang ersehntes Rorschach.

Das Finden eines geeigneten Anlegeplatzes erwies sich als nächste Hürde. Eine nicht endend wollende Ufermauer versperrte uns den Zugang zum Land. Das so nah geglaubte Ziel entrückte uns unfreiwillig um einige zusätzliche Ruderkilometer. Das Stimmungshoch erlitt ein kurzer Einbruch. Irgendwann, längst an unserem Ziel vorbei, nahe der Ortsgrenze von Staad fand sich dann doch noch ein geeigneter Platz, um das Boot sicher an Land zu bringen.

An unserer Unterkunft besticht die wunderschöne Lage direkt am See. Im Innern dominiert der verwelkte Zeitgeist der 80-er Jahre. Das Dienstleistungsverständnis des Herrn an der Rezeption schien ebenfalls einer anderen Zeit anzugehören. Im Rating hätte der Empfang den er uns bereitete, punkto Freundlichkeit und Charme höchstens einen Durchschnittswert erzielt. Zum Glück waren wir mit unserer guten Laune gegen jegliche Ansteckungsgefahr von Griesgrämigkeit vollständig immun. Einzig Hunger hatten wir und Tripadvisor sei Dank fanden wir auch bald ein nettes italienisches Lokal ganz in der Nähe. Ein Glas Wein und Pasta e Pizza – was will man mehr, es schmeckte wunderbar.

Das Abendprogramm fand keine längere Fortsetzung. Die Müdigkeit obsiegte und liess uns trotz dem engen 4-Bett Zimmer sofort in den Tiefschlaf tauchen.  

 

Pfingstsonntag 

Die Tour führte über Lindau nach Friedrichshafen. Im Vergleich zum Vortag war die Etappe etwas kürzer. Den Abstecher nach Bregenz ersparten wir uns. Dafür reichte die gewonnene Zeit für einen Stadtspaziergang in Lindau und eine ausgedehnte Mittagspause.

Für den Streckenabschnitt am Nachmittag war wieder Ausdauer gefordert. Auf dem See herrschte Hochbetrieb, eine Segelregatta bei Langenargen, dazu Motorboote und Kursschiffe die für Wellengang sorgten und unser Boot ins Schaukeln brachten. Wir ruderten uns durch die Zwischenräume.

Der Hafen von Friedrichshafen nahte. Das Anlegen war für einmal ein Kinderspiel. Der Ruderclub Friedrichshafen stellte uns den Platz zur Verfügung. Für Helene war die Reise nun zu Ende. Wir verabschiedeten uns von ihr, am Sonntag sollte als Ersatz Ursula zu uns stossen.

Die Unterkunft die uns für diese Nacht erwartete, hätte im Vergleich zum Vortag nicht gegensätzlicher sein können. In der Peripherie gelegen, der Komfort dafür sehr angenehm. Allen Annehmlichkeiten zum Trotz bleibt diese Episode zweifelhaft. Die extravagant aufgemachte Lady an der Rezeption, die uns einen filmreifen Empfang bereitete, gepaart mit den als Strandlandschaft gestalteten Räumen im Untergeschoss, mutete selbst für naive Gemüter leicht skurril an und bot ausreichend Grund für humoristische Spekulationen. 

  

Pfingstmontag

Die letzte Etappe stand bevor, diese galt es noch auszukosten. Der See war ruhig, das Wetter passte. Ganz nach der appenzellisch interpretierten Bauernregel «hat der Säntis einen Hut, wird das Wetter gut». Der Satz passte perfekt, bot sich vom Boot aus der umwerfende Ausblick auf die markante Silhouette der Alpsteinkette. Der Säntis auf der einen Seite - Meersburg auf der anderen – inmitten dieser pittoresken Kulisse glitt unser Boot durchs Wasser.

In Konstanz eine Mittagspause vor dem letzten Akt. Wir ruderten entlang dem Seerhein bis zum Durchstich und schliesslich das allerletzte Stück nach Radolfzell.

Das Ziel war erreicht, die Strecke geschafft, das Abenteuer zu Ende.

Verschwitzt und erledigt aber überglücklich, der magische Moment der Ankunft hat Langzeitwirkung.

Herzlichen Dank Martin für die perfekte Organisation, herzlichen Dank der ganzen Gruppe für dieses tolle Erlebnis.

Barbara Schoop

 

 

 

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